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Preissturz
Das Marktungleichgewicht im September ermöglichte es den Stahlwerken die Preise nochmals kräftig nach unten zu ziehen. Da die Werke im August unterschiedlich hohe Abschläge durchsetzen konnten, lagen die Preiskürzungen im August und September je nach Region und Sorte bei durchschnittlich 150 bis 185 Euro pro Tonne, wobei die Reduzierungen für Neuschrott geringer ausfielen als für Altschrott. Die Werke wurden ausreichend versorgt, obwohl es Verbraucher gab, die den vorhandenen Angebotsdruck im Markt für noch deutlichere Preisabschläge zu nutzen versuchten. Sie scheiterten mit diesem Vorhaben, da sich der Handel weigerte, seine zum Teil noch vorhandenen teuren Altbestände mit so hohen Verlusten zu verkaufen. Einige Werke mussten wegen ihres forschen Vorgehens vom Monatsanfang im Laufe des Monats Sonderpartien zukaufen, da die Bevorratung einen weiteren Rückgriff auf den Bestand nicht zuließ. Im Osten Deutschlands lagen die Preissenkungen im September bei durchschnittlich 80 bis110 Euro je Tonne. Wegen des aktuellen, bis voraussichtlich Dezember andauernden technisch bedingten Stillstands bei einem Riva-Werk und des sich im Dezember anschließenden vierwöchigen Stillstands in Riesa werden andere, geografisch nahe liegende Stahlwerke vom überschüssigen Mengenangebot profitieren können. Im Betonstahlbereich hält der Kaufstreik der Verbraucher an. Trotz stark reduzierter Preise finden die angebotenen Mengen kaum Käufer, weshalb einige Werke ihre Produktion der schwachen Nachfrage anpassen. Ungleich schwächer ist der Druck im Flachstahl- und im Trägerbereich, wo es einigen Anbietern im Flachstahlbereich sogar gelungen ist, die Preise nochmals anzuheben. Obwohl nach wie vor im unteren Altschrottsegment ein Mengenüberhang besteht, berichteten Händler übereinstimmend, dass der Zulauf zu den Lagern gegenüber dem Vormonat spürbar geringer geworden sei. Die Sommerflaute bei der Industriefertigung gepaart mit dem Einfluss eines allgemeinen wirtschaftlichen Abwärtstrends hat einerseits den Neuschrott-Entfall gemindert, andererseits hat sich die Sammeltätigkeit wegen des Preisrückgangs automatisch abgeschwächt – teilweise so stark, dass einige Aggregate nicht mehr voll ausgelastet werden können.
Nachbarmärkte Technische Probleme beim Großverbraucher in Luxemburg führten im September zu einer geringeren Mengenabnahme und weiteren Preisreduzierungen beim Neuschrott um durchschnittlich 100 Euro und beim Altschrott sogar um 110 Euro pro Tonne. Laut Angaben von Händlern sind die Bestände in Luxemburg immer noch hoch. Der internationalen Presse war zu entnehmen, dass ArcelorMittal plant, seine Produktion im vierten Quartal um rund 15 Prozent zu kürzen, um der sinkenden Nachfrage vor allem im Langstahlbereich entgegenzuwirken. Die französischen Werke senkten die Preise um rund 80 bis 100 Euro, die belgischen um 100 bis125 Euro pro Tonne. Während es keine Nachfrage aus Spanien gab, lagen die polnischen Schrottpreise um 30 bis 35 Euro pro Tonne über den deutschen, so dass Importe uninteressant waren. Zu ähnlichen Preisentwicklungen kam es in Tschechien. In Italien ist seit dem 18. September klar, dass die Werke ohne abfallrechtliche Genehmigung keine Abfälle annehmen dürfen. Die im Frühjahr beantragten Genehmigungen sind noch nicht erteilt und haben auch keine aufschiebende Wirkung. Die zum vorgenannten Datum per Schiff angekommenen und als Abfall deklarierten Shredderschrotte durften in den italienischen Häfen nicht gelöscht werden, weil die zuständigen Behörden eine gültige Genehmigung der Käufer zur Annahme von Abfällen verlangten. Mittlerweile kehrten die aus Frankreich stammenden Schiffe an die Absender zurück worauf sich die Preise in Italien sich bei Redaktionsschluss je nach Sorte um 10 bis 50 Euro pro Tonne erhöhten.
Gießereien Die Preisabschläge bei den Gießereien, die nicht an den Durchschnittspreis der WV-Stahl gekoppelt sind, waren je nach Sorte und Region mit Minus 60 bis 90 Euro pro Tonne moderater als bei den Stahlwerken. Die Auslastung lässt zwar in einigen Bereichen nach, kann aber insgesamt als zufrieden stellend bezeichnet werden. Die Roheisenpreise sinken – wenn auch zeitverzögert – ebenfalls. Da der Preisunterschied zwischen Roheisen und den entsprechenden Stahlschrott-Sorten noch immer sehr deutlich ist, setzen die Gießer verstärkt Schrott statt Roheisen ein. Je nach Qualität und Herkunft liegen die Preise zwischen 500 und 650 Euro pro Tonne, wobei brasilianisches Roheisen an der oberen Preisgrenze liegt. Russische Lieferanten signalisieren bereits, dass sie wegen der mangelnden Absatzmöglichkeiten zu weiteren Preiszugeständnissen bereit sind.
Drittlandsmarkt Durch den Nachfrageeinbruch seitens der türkischen Stahlwerke haben einige Exporteure noch immer hohe Bestände in ihren Hafenlagern. Seit dem zweiten Monatsdrittel keimt bei den türkischen Verbrauchern Kaufinteresse an Schrottmengen aus der EU auf, obwohl sie versuchen, die Preise so weit wie möglich zu drücken. Die Lage im Tiefseemarkt wird nicht mehr ganz so pessimistisch eingeschätzt wie noch am Monatsanfang. Aus Russland kommen kaum noch Mengen, da die Preisgestaltung der türkischen Verbraucher für diese Lieferanten uninteressant geworden ist. Nach dem Ende des Ramadan am 30. September, geht man in Marktkreisen von einer Kaufbelebung wenigstens im Mittleren Osten aus. Schwer einzuschätzen ist die Geschwindigkeit des Lagerabbaus im dortigen Stahlhandel und die Stärke der Nachfrage. Noch sind die Preise für Moniereisen und Knüppel überall stark rückläufig. So sind beispielsweise die Angebotspreise für Moniereisen für den Export türkischer Stahlwerke FOB zwischen dem 29. August und dem 22.September 2008 um rund 200 US-Dollar gesunken, dennoch hat sich die Nachfrage noch immer nicht belebt. Im gleichen Zeitraum gab der Preis für die Exportsorte HMS 1/2 (80:20) um rund 70 US-Dollar pro Tonne nach. Die Stahlpreise haben mittlerweile das Niveau vom Januar 2008 erreicht, während die Schrottpreise um 70 US-Dollar darunter liegen.
Aussichten: Alles ist möglich! Unter Berücksichtigung der Meinungen aller befragten Händler könnten die Preise im kommenden Monat sinken, unverändert bleiben oder sogar steigen. Für alle Einschätzungen gibt es gute Gründe. Fakt ist, dass die Werke auf Grund der Preisschere zwischen Roheisen und Schrott, verstärkt Schrott einsetzen. Die Bestände einiger Werke müssen aufgefüllt werden und Bedarf und Angebot könnten sich durchaus im Gleichgewicht befinden. Obwohl der Absatz von Betonstahl als kritisch anzusehen ist, sind andere Stahlhersteller gut beschäftigt und haben einen normalen Schrottbedarf. Die Witterungsbedingungen im Mittleren Osten ermöglichen eine Aufnahme der Bautätigkeit und der Ramadan neigt sich seinem Ende zu. China fragt verstärkt Schrott in den USA und Japan nach. Der Druck auf das untere Altschrottsorten-Segment könnte nachlassen. Den positiven Signalen steht jedoch die Finanz- und Bankenkrise in den USA gegenüber. Die dadurch ausgelösten Reaktionen sind nicht vorhersehbar!
Redaktionsschluss: 22.09.2008, BG-J, bvse
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